An der Sommersonnwend (Mittsommer) haben wir den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres, also genau das Gegenstück zur Winntersonnwend.
Die Blüten sind befruchtet und vieles reift nun heran. Teilweise können auch bereits die ersten Früchte geerntet werden. Die Natur steht in ihrer vollen Kraft, benötigt aber noch Schutz, damit ihre vielfältigen Früchte zur vollen Reife heranwachsen können.

Es ist die Zeit, um heilbringende Kräuter zu sammeln, zu Kräuterbuschen zu binden und sie zum Trocknen in Haus und Hof zu hängen. Es gibt hier unterschiedliche Traditionen und auch die Anzahl der Kräuter und Inhalt dieser Buschen ist von Region zu Region verschieden. Manchmal heißt es, in den Kräuterbuschen müssen 7 oder 77, 9 oder 99 Kräuter gebunden werden - 7 und 9* sind beides heilige Zahlen. Am häufigsten wird jedoch die Königskerze für die Mitte verwendet. Diese wird auch Wetterkerze genannt und wird somit auch als Wetterzauber genutzt. Die getrockneten Kräuter dienen als Wintervorrat für die Haus- und Stallapotheke. So kann man diese bei Krankheiten für Mensch und Tier z.B. als Tee oder Räuchergut verwenden. Die Buschen werden natürlich auch geweiht. In der katholischen Kirche gibt es heute noch die Kräuterweihe.

Auch die Sonnwendfeuer (Johannisfeuer, Mittsommerfeuer) werden nun angezündet. Dieser Brauch kommt seit einigen Jahren immer mehr zurück. Früher sprangen Frauen mit geflochtenen Gürteln aus Beifuß und Bärlapp darüber, um geschützt und fruchtbar auf allen Ebenen zu sein. (Oder auch Braut und Bräutigam für eine glückliche Partnerschaft.) Die Gürtel wurden danach im Feuer verbrannt und nahmen damit alles Ungute mit sich.
Im Sonnwendfeuer werden auch Wettersegenspflanzen mit Bittgebeten an die Wettergötter verräuchert, um eine gute Ernte zu erbitten. Wie schnell kann alles durch Sturm, Hagel, zu viel Nässe, Trockenheit etc. vernichtet werden. Es muss nun alles im richtigen Maß kommen - nicht zu viel und nicht zu wenig. So ist es auch in unserem Leben - ein Ungleichgewicht führt zu Zerstörung. Alles muss sich die Waage halten.
Mit den Feuern werden natürlich auch böse Geister und Unholde vertrieben, die der Ernte schaden können. Grundsätzlich ist die Sonnwend ein Grund der Freude und des prallen Lebens, welches mit üppigen Festen gefeiert wird. So können wir uns mit der Natur zu verbinden und ihre Geschenke an uns huldigen.

Am 24. Juni ist Johanni, das von den Christen als das Fest der Geburt von Johannes des Täufers gefeiert wird. Es wurde im 5. Jahrhundert wegen den heidnischen Sonnwendfeiern verknüpft. Hierfür wurden natürlich auch zahlreiche frühere Bräuche übernommen. Beifuß z.B. wird auch mit Johannes in Verbindung gebracht. Er soll ihn am Gürtel getragen haben, als er die Wüste durchquerte. (Markus Evangelium)

Gleichzeitig ist die Sommersonnwend aber auch der Tag der Umkehr. Die Nächte werden nun wieder länger und die Dunkelheit gewinnt nach und nach immer mehr die Oberhand. Die Vergänglichkeit und der Rückzug ist also auch ein Bestandteil dieses Festes. Wir feiern die Fülle und Pracht der Natur, sind uns aber auch über die Vergänglichkeit bewusst. Dieses Fest kann uns auch als Tag der Entscheidung dienen. Was gilt es in unserem Leben bald zu verabschieden oder loszulassen?

Räucherpflanzen:

Segnend: Alantwurzel, Beifuß, Copal, Dost, Engelwurzwurzel, Johanniskraut, Mariengras, Myrrhe, Rose, Thymian, Weihrauch.

Wetterpflanzen: Beifuß, Dost, Johanniskraut, Rainfarn, Königskerze (Wetterkerze.)

Allgemein zum Fest ergänzend von Roswitha Stark: Melisse, Baldrian, Beinwell, Eisenkraut, Frauenmantel, Goldrute, Distelarten, Getreidehalme als Symbol für Fruchtbarkeit.

Persönliche Frage zu Johanni: Was ist in mir erblüht? Kann diese Frucht reifen? Was gilt es in meinem Leben zu verabschieden und/ oder loszulassen?

 

* Die Zahl 9 gilt in allen Kulturkreisen als heilig. Mit der höchsten Schwingung ist sie die Zahl der Vollkommenheit und des göttlichen Bewusstseins. Sie war der weiblichen Muttergöttin geweiht, die das neue Leben bringt und schützt.

* Die Zahl 7 ist eine mystische, heilige und göttliche Zahl, die in der Bibel und in den Mysterien immer wieder vorkommt. Sie ist die Zahl der Vollendung, die Addition von Drei und Vier, die Verbindung des Geistigen und der Materie. Wer den Weg der Mitte hier auf der Erde in Verbindung mit dem Spirituellen gehen kann, wird zum Meister des Lebens. Sie ist auch die Zahl der Heilung. Bei den Juden kennt man den siebenarmigen Leuchter, die Menora. Weitere Beispiele, wo die Sieben überall auftaucht: 7 Weltwunder, 7 Erzengel, 7 Wochentage, 7 Farben des Regenbogens, 7 Siegel, 7 Hauptchakren, die 7 Zwerge hinter den 7 Bergen, 7 Geißlein oder 7 Raben im Märchen usw..