Die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche beendet im Jahresverlauf die dunkle Zeit. Nun beginnt das lichte Halbjahr bis zur Herbst-Tagundnachtgleiche. Die germanische Frühlingsgöttin Ostara erwacht nun zu neuem Leben. Alles sprießt und wächst. Die Luft wird wärmer und es riecht ganz anders als in der kalten Jahreszeit. Natur und Mensch drängt es nun wieder nach draußen.

An diesem Fest wird die Wiederkehr des Lebens gefeiert. Es hat viel mit Fruchtbarkeit, Fortpflanzung und Sexualität zu tun. Die Menschen flirten wieder und gehen auf Partnersuche - das ist jedes Jahr im Frühling immer sehr schön zu beobachten. Auch die Vögel trällern wieder lautstark ihre Lieder und alles ist erfüllt von Leben und Aktivität.

Da die Kirche der Sexualität stets kritisch gegenüber stand, wurde auf dieses alte Fest Ostern gelegt, mit der Feier der Auferstehung Christi und damit eigentlich das Prinzip der Unsterblichkeit. (Unser Osterfest richtet sich nach dem ersten Vollmond im Frühling zwischen dem 21. März und 25. April, da sich hier nach dem Neuen Testament die Auferstehung Christi ereignete.)
Kelten und Germanen waren weniger prüde - sie folgten dem, was die Natur vorgab, und gaben sich der Lust und Freude hin. Unsere heutigen Symbole zeigen noch die Bedeutung des ursprünglichen Festes: Hasen, Marienkäfer, Eier – alles Symbole der Fruchtbarkeit. (Hühner legen auch erst ab dem Frühjahr wieder Eier)
Vielerorts brennen auch die Osterfeuer in der Nacht auf Ostersonntag. Hier lebt die alte Tradition fort. Das Licht wird begrüßt und das Feuer, das nun wieder in allem Leben brennt. Das angebrannte Holz der Osterfeuer, wurde in früheren Zeiten in die Häuser gebracht. Es besitzt - wie auch der Julblock - Macht gegen Gewitter.

Palmzweige (Weidekätzchen) und der Frühlingsherold (Ankündiger des Frühlings) werden nun gebunden und im segnenden Rauch geweiht. Der Palmbuschen wird als Symbol des Friedens im „Herrgottswinkel“ (= eine christliche Zimmerecke in der bäuerlichen Wohnstube) bis zum nächsten Osterfest aufgehängt.
Für Schutz und Fruchtbarkeit war der Frühlingsherold zuständig, den man vor die Tür stellt oder am Gartenzaun befestigt. Alle magischen Gebinde werden beim darauffolgendem Jahreskreisfest im Feuer verbrannt, um Platz für neue zu schaffen. Ebenso geweiht wurden Eier, Brot, Schinken und Salz, die dann am Osterfest verspeist wurden.
In christlichen Traditionen Süddeutschlands wurden am Karfreitag nochmals Haus und Hof mit reinigendem Rauch gereinigt.
Es ist leider nicht sehr viel überliefert, welche Bräuchte aus früheren Zeiten kommen und von der Kirche übernommen wurden. Durch das Reinigen und weihen von Speisen und Gebinden mit Rauch und das Brennen der Osterfeuer, ist es jedoch naheliegend, dass es sich um alte Bräuche handelt, die sich bis zum heutigen Tag erhalten haben.
Ein anderer Brauch an Gründonnertag ist eine Suppe aus neunerlei frischen Kräutern*. Es musste etwas Grünes auf den Tisch. Die Germanen glaubten dadurch an der Natur teilzuhaben. Sie spendet Leben und hat heilige Kräfte. Sie wollten sich dadurch mit den guten und heiligen Kräften der Natur verbinden. Schon Hildegard von Bingen, die Äbtissin aus dem 12. Jahrhundert hat geschrieben: „ Es ist eine Kraft aus der Ewigkeit, und diese Kraft ist grün.“
Unsere Vorfahren feierten diesen Tag im Freien. Nachts tanzten sie im Wald. Aus Gundermann gebundene Kränze wurden dabei getragen.


Die Frühjahrs-Tagundnachtgleiche ist eine gute Zeit für Anfänge aller Art. Der Samen, der an den vergangen Festen gelegt wurde und im Stillen gekeimt hat (siehe Allerseelen/ Samhain, Julfest/ Winter-Sonnwend und Imbolc/ Lichtmess), kommt nun an die Oberfläche. Nun ist Aktivität und Umsetzung gefragt. Alles steht unter dem guten Stern von Ostara. Die Phase der Innenschau ist nun beendet und geht in Aktivität über. Zeigen Sie sich also in Ihrer ganzen Pracht – wie der Frühling!

Räucherpflanzen:
Reinigend: Alant, Engelwurz, Thymian, Copal, Lavendel.
Segnend: Alant, Copal, Lavendel, Myrrhe, Rose und Weihrauch.

Ergänzend von Roswitha Stark - Pflanzen, die sich zum Schmücken, Räuchern und Wertschätzen an Ostara eignen: Schlüsselblume, Huflattich, Tausendschön, gelbe Lilien, Küchenschelle, Frühlingskräuter, Brennnesseln, Löwenzahn, Gänseblümchen, Birke, Weide, Rosenblätter.

Persönliche Fragen zu Ostara: Wie kann das junge Pflänzchen in mir in die Welt hinein sichtbar werden? Welche Nahrung, Pflege und Raum braucht es?

 

* Die Zahl 9 gilt in allen Kulturkreisen als heilig. Mit der höchsten Schwingung ist sie die Zahl der Vollkommenheit und des göttlichen Bewusstseins. Sie war der weiblichen Muttergöttin geweiht, die das neue Leben bringt und schützt.