Die mystischen Raunächte gehören zwar nicht zu den acht Jahreskreis-Festen, ich möchte sie aber dennoch erwähnen. Sie beginnen seit der römischen Antike nach der Heiligen Nacht vom 25. auf den 26. Dezember. Sie dauern bis zum 6. Januar also Heiligdreikönig (dem Perchtentag). Ursprünglich begannen sie bereits nach dem Julfest, der Wintersonnwende am 21. Dezember und endeten 12 Nächte später am 02. Januar.

Es ist die Zeit zwischen den Jahren. Winterstürme fegen über das Land und hungrige Raubtiere kamen den Menschen immer näher auf der Suche nach Nahrung. Früher verließ man nach hereinbrechen der Dunkelheit das schützende Haus nicht mehr. Zumal z.B. im Alpengebiet die Percht mit ihrem wilden Gefolge übers Land reitet (in Mitteldeutschland Frau Holle). Die Percht herrscht über Leben und Tod. Sie sammelt die toten, verirrten Seelen ein, die bis zu den Raunächten umherirren und durch das Land jagen. Sie kann ihre Gestalt verändern und zeigt sich mal gütig oder schrecklich und gelegentlich als Tier oder Bettler. Auch das Herz der Lebenden wird von ihr gelegentlich geprüft. In früheren Zeiten fürchteten die Menschen in der Dunkelheit auf ihr Heer zu treffen und aus Versehen mitgenommen zu werden. Außerdem treiben alle möglichen Geister in dieser Zeit mit den Menschen ihren Schabernack. Also besser auch keine Wäsche ins Freie hängen.
In manchen Gegenden stellte man Buchsbäume rechts und links neben die Eingangstüre. Die Geister, die nachts ins Haus wollen, müssen erst alle Blättchen zählen, bevor sie eintreten dürfen – was bis zum Morgengrauen nicht möglich war.

Im Norden Europas ist es Wodan/ Odin mit seinen Wölfen Geri und Freki und seinen zwei Raben Hugin und Munin (der Gedanke und die Erinnerung), der in den Raunächten mit seinem achtbeinigen Pferd Sleipnir in wilder Jagd durch die Lüfte zieht.

(Bleiben Sie in diesen unruhigen Tagen und Nächten also besser im Haus. ;-))

Um die Geister zu besänftigen und die Tage gut zu überstehen, kann man die Räume räuchern, mit den Ahnen Kontakt aufnehmen oder den Geistern Essen vor die Türe stellen - auch für Sleipnir.

In diesen zwölf Nächten ab dem 25. Dezember (bzw. ursprünglich ab 21. Dezember) wurde auch viel orakelt. Jede Nacht der zwölf Nächte steht für einen Monat des kommenden Jahres. Eine andere Tradition besagt, dass die ersten sechs Nächte dazu da sind, um Vergangenes abzuschließen. Die nächsten sechs Nächte, um das Kommende zu visualisieren. Wiederrum eine andere Überlieferung besagt, dass die drei Nächte zwischen dem 21. und 24. Dezember besonders sind - die Losnächte. Hier wurde viel orakelt, in der Hoffnung Glück zu haben. (Auch das Los aus der Lotterie hat hiermit zu tun.)

Zum Abschluss der Raunächte wird an Heiligdreikönig oder dem Perchtentag (ursprünglich am 02. Januar) mit weihenden Pflanzen und Harzen das Haus gereinigt.
Weit verbreitet ist immer noch der Brauch K+M+B (C+M+B) und die Jahreszahl oben auf den Türrahmen der Eingangstür zu schreiben. Dieses Schutzritual ist heute nach Kaspar (Caspar), Melchior und Balthasar benannt, bzw. nach der katholischen Kirche christus mansionem benedicat = Christus segne dieses Haus. Im frühen Mittelalter stand es jedoch für Katharina, Margarete und Barbara – den heiligen drei Frauen. In vorchristlicher Zeit nannte man sie Einbeth (Erde), Wilbeth (Sonne) und Warbeth (Mond)– die drei alpenländischen Bethen als Ausdruck der weiblich-göttlichen Trinität. (Deren Namen kommen regional in unterschiedlichen Varianten vor.)

Schon mit der Adventszeit Ende November beginnt die besinnliche Zeit, die für uns am 06. Januar endet. Nutzen Sie diese Zeit für Ihre eigene Innenschau.

Räucherpflanzen:

Reinigung und Schutz: Bartflechte, Beifuß, Engelwurz, Eschensamen, Fichtenharz, Holunder, Lavendel, Meisterwurz, Mistel, Salbei.

Zum Orakeln: Alraunenwurzel, Beifuß, Bilsenkraut, Lorbeer, Mistel, Schafgarbe.

Segnend: Mariengras, Myrrhe, Rose, Weihrauch.